Hier handelt es sich um ein erneut durchgeführtes Verhandlungsverfahren, dem folgende Vergabebegründung zugrunde liegt:
Seit Ende November 2025 sind die Preise für Arbeitsspeicher und Festplattenspeicher am Weltmarkt stark gestiegen. Hintergrund ist der weltweite Aufbau von Serverfarmen für die Entwicklung und den Betrieb von Künstlicher Intelligenz. Da die Server ähnliche Speicherbausteine benötigen wie im IT Client Bereich, stehen nicht mehr genügend Speicherkomponenten zur Verfügung. Darüber hinaus wurde die Produktion von DDR4-Speichern auf DDR5-Speicher umgestellt, was zu höheren Ausschussmengen und längeren Lieferzeiten und dementsprechend zu einem starken Preisanstieg am Markt geführt hat. Die Anbieter von IT-Clients sind derzeit nicht in der Lage, langfristige Angebote mit einer Bindefrist von mehreren Wochen zu erstellen, da sich die Hersteller nicht mehr über einen längeren Zeitraum an die Preise binden. Damit kommen formale Verfahren, wie ein Offenes Ver-fahren oder Verfahren mit TNW allein wegen der Mindestfristen in der aktuellen Marktsituation nicht in Frage.
Die Marktsituation wurde in der Videokonferenz mit Herrn Broich von der Fa. alsterarbeit am 10.02.26 09:00-10:00 Uhr bestätigt. Auf das Protokoll wird verwiesen.
Ferner wird auf Veröffentlichungen in der IT-Fachpresse verwiesen, die sich mit den starken Preissteigerungen bei den Speicherchips befassen.
Im aktuellen Rahmenvertrag mit der Firma Hansen & Gieraths über Lenovo Clients gibt es Lieferengpässe ab Ende Februar bzw. März. Wie der Datei "Gegenüberstellung 1702 mit Preisen" zu entnehmen ist, kann von März bis Ende Juni 2026 ein Bedarf von ca. 610 Geräten unterschiedlicher Gerätetypen nicht vom Hersteller Lenovo gedeckt werden. Es handelt sich um Workstations und andere Clients mit besonders viel Speicher, die für anspruchsvolle Forschungsarbeiten benötigt werden. Diese Modelle sind laut Schreiben der Firma Hansen & Gieraths für mehrere Monate nicht verfügbar. Ein Versorgungslücke bei diesen Geräten beeinträchtigt die Arbeit in den Forschungsprojekten aller abrufberechtigten Hochschulen, die rechtzeitige Erfüllung von Meilensteinen könnte dadurch gefährdet sein. Bereits jetzt warten die Hochschulen seit Wochen auf Dutzende Systeme (siehe negative Werte bei freie Lagerbestände in der Datei "Gegenüberstellung 1702 mit Preisen").
Im heutigen Gespräch mit der Firma Hansen & Gieraths (Videokonferenz vom 19.02.2026 von 11:30 Uhr - 12:05 Uhr) berichtete die Firma Hansen & Gieraths von starken Preiserhöhungen über 48 % bei Lenovo-Geräten bzw. bei den Herstellern Dell und HP sogar von Preiserhöhungen darüber hinaus (Preise s. Screenshot).
Es ist für die RWTH Aachen nicht vertretbar, derart massiven-Preiserhöhungsforderungen nachzukommen, ohne vorher im Wettbewerb mit anderen Anbietern Marktpreise zu ermitteln.
Aufgrund der zeitnah eintretenden Versorgungsengpässe ist ein schnelles Handeln unumgänglich.
Daher werden im Rahmen des Verhandlungsverfahrens ohne Teilnahmewettbewerbs nur der RWTH Aachen bekannte bzw. geeignete Bieter am Verfahren beteiligt. Aufgrund der Marktsituation erfolgt die Vergabe mit verkürzter Angebots- und Zuschlagsfrist. Die Informationsfrist gem. § 134 GWB ist zu beachten.
Auf die Einholung von Eigenerklärungen und weiteren Eignungskriterien wird verzichtet, da die eingeladenen Unternehmen Hansen & Gieraths, Bechtle und alsterarbeit bereits Rahmenverträge bei der RWTH bedienen und bedient haben. Deren Eignung und Zuverlässigkeit kann vorausgesetzt werden.
Aus den oben genannten Gründen kommt nur ein beschleunigtes Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb in Frage.
Es liegen äußerst dringliche, zwingende Gründe im Zusammenhang mit Ereignissen vor, die der öffentliche Auftraggeber nicht voraussehen konnte und die er nicht zu verantworten hat, die es nicht zulassen, die Mindestfristen einzuhalten, die für das offene und das nicht offene Verfahren sowie für das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb vorgeschriebenen sind (§ 14 Abs. 4 Nr. 3 VgV).